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Das Leben im Retro

Nichts Neues unter der Sonne? Tatsächlich kann man nur darüber staunen, als wie konstant sich vermeintlich neue Wohnbedürfnisse erweisen. Früher nannte man Privacy Biedermeier. Auch die stilwerk-studie spricht u.a. von der Rückkehr des Biedermeiers, vom neuen "Biedermeier-Glam", dem Glanz und der Zelebrierung des kleinen Glücks. Und letztendlich verbirgt sich auch hinter einem der neuesten Wohntrends wie "Archaic Nature" nichts als die uralte Zurück-zur-Natur-Sehnsucht, wenn auch ästhetisch auf allerhöchstem Niveau.

Neu ist nur, dass viele unterschiedliche Wohnstile nebeneinander existieren. Viele greifen allerdings zurück auf bereits Dagewesenes. Das Leben in Retro ist in, sei es in üppigem Neo-Barock, funktionalem Bauhaus-Stil oder in großgemusterten 80er-Jahre-Tapeten. Also doch nichts Neues? Nicht wirklich!

"Wohnen ist konservativ. Wir halten uns an das Gewohnte und leben darin Muster einer weit zurückreichenden Kulturgeschichte ohne ein Bewußtsein fort, was wir wirklich und symbolisch tun. Erst wenn wir beginnen, uns beim Wohnen aufmerksam zuzuschauen, entdecken wir staunend oder amüsiert, wie wenig »modern« wir seit alters her geworden sind..." (1)

"Das Verhältnis Mensch und Möbel ist durch Anhänglichkeit geprägt. Große private, aber auch gesellschaftliche Ereignisse, sie ändern wenig an Behausungsvorlieben — das jedenfalls ist die irritierende These einer unendlich beweislastigen Studie zur "Geschichte des Wohnens". Der jüngste und letzte Band des Forschungsberichts wurde herausgegeben von Ingeborg Flagge, Professorin in Leipzig und designierte Leiterin des Deutschen Architektur-Museums in Frankfurt am Main. Er widerlegt alle Zeitgeistanalysen, die in der Wohnhistorie einen immer rasanteren Wandel der Moden sehen.

Jüngst blickten etwa die Redakteure der Zeitschrift "Schöner Wohnen" auf die vergangenen 40 Jahre und schilderten einen hastigen Wechsel: von der wirtschaftswunderbaren "Kunststoffeuphorie" der "wilden" Sechziger über die Naturästhetik in den WGs der Siebziger bis zum "coolen" Stahl-Stil der Achtziger. An anderer Stelle imaginierten sie das "beschleunigte Wohnen" im "Nomadenhaus" der Zukunft.

Alles nur Oberfläche, so behaupten die Forscher um Flagge. "Wir dürfen uns von ästhetischer Diversifikation nicht täuschen lassen", rät der Wohnsoziologe Michael Andritzky, "auf die Breite gesehen ist alles beim Alten geblieben."(2)

(1) zitiert nach Gert Selle, Die eigenen vier Wände (1993)

(2) zitiert nach www.schader-stiftung.de, Auszug aus: Susanne Beyer: Wohnen mit Wehmut. In: Der Spiegel 17/2000.

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